Grimm’s Märchen einmal ganz anders


Wer kennt sie nicht? Der kleine Bär und der kleine Tiger sind zusammen mit der Tigerente wohl die bekanntesten von Janosch geschaffenen Figuren. Bei Groß und Klein beliebt dürfen sie in keinem Kinderzimmer fehlen.

Cover zu "Janosch erzählt Grimm's Märchen"Janosch, der 1931 in Polen geboren wurde, heißt mit bürgerlichem Namen Horst Eckert. Er ist einer der bekanntesten Kinderbuchautoren und -illustratoren und mit seinem Buch „Oh, wie schön ist Panama“ berühmt geworden. Dabei dreht sich bei ihm längst nicht alle um die Figuren, die in diesem und weiteren Büchern die Hauptrolle spielen. Über 100 Bücher hat er geschrieben, die in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Eines davon trägt den Titel „Janosch erzählt Grimm’s Märchen“.

„Es war einmal ein schöner, grüner Froschkönig, dessen Reich in einem kleinen Teich im Wald war. Jeden Tag schwamm er an eine Stelle, wo das Wasser einen Meter sechsundsiebzig tief war, und spielte mit einer goldenen Luftkugel.“

So beginnt Janosch seine Version des „Froschkönig“ und stellt damit das Märchen völlig auf den Kopf. Der Frosch verliert seine Kugel, ein Mädchen fängt sie und will den Froschkönig heiraten.

„Das Mädchen freilich gefiel dem Froschkönig überhaupt nicht, denn sie war nicht besonders schön. Sie hatte kurze Beine, war auch etwas zu dick, und ihre Haare waren wie Stroh. Aber in seiner Not, und weil er an der goldenen Luftkugel hing, dachte er: ‚Was redet sie da für dummes Zeug? Sie kann erstens gar nicht tauchen und vielleicht auch nicht schwimmen, außerdem ist sie doch ein Landmensch. Was will sie hier unten im Wasser?'“

Ähnlich wie wir es von den Brüdern Grimm kennen, sieht sich der Froschkönig schließlich doch gezwungen, das Mädchen mit in sein Reich zu nehmen und zu heiraten. Um nicht an seinem Versprechen festhalten zu müssen, geht er mindestens genauso drastisch vor, wie die grimmsche Prinzessin:

„Doch kaum waren sie aus dem Saal, nahm der schöne, grüne Froschkönig das Mädchen in den Schwitzkasten und wollte sie im tiefsten Wasser ertränken.“

Es kommt, wie es kommen muss: Das Mädchen verwandelt sich in einer wunderschöne, grüne Froschprinzessin, die dann ihre Leidensgeschichte erzählt. Von einem Menschen gefangen und in ein Glas gesteckt, konnte sie sich nur retten, indem sie sich selbst in einen Menschen verwandelte.

Der Rollentausch ist typisch für Janosch. Die Armen, Benachteiligten werden bei ihm in den Mittelpunkt gerückt, nicht Reichtum und Ansehen, sind es, die glücklich machen, sondern die kleinen Dinge im Leben, die Zufriedenheit schenken. So z.B. auch in seinem gestiefelten Kater. Hier verhilft der Kater nicht zur Hochzeit mit der Königstochter und einem halben Königreich. Nein, er zeigt, dass all der Reichtum nichts wert ist, weil diejenigen, die ihn besitzen, ihn nicht genießen können. Viel zu sehr beschäftigen sie sich damit, mehr anzuhäufen oder Vorhandenes nicht zu verlieren. Der dritte Sohn, den der Kater begleitet, lebt schließlich ganz zufrieden in einer kleinen Stube in einem Gärtnerhaus  mit drei kostenlosen bescheidenen Mahlzeiten am Tag.

54 Märchen hat Janosch auf diese Weise umgetextet und für unsere heutige Zeit neu gestaltet. Nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene sollen damit angesprochen und erreicht werden. Und das gelingt Janosch sicher. Die Kleinsten hören mit Freude die Geschichten, die liebevoll illustriert sind, die Größeren erkennen den hintergründigen Humor, die Gesellschaftskritik und die satirischen Züge, die Janoschs Märchen ausmachen.

„Janosch erzählt Grimm’s Märchen“ ist erstmals 1972 erschienen (damals 50 Märchen) und in heutiger Fassung in der 8. Auflage im Programm des Verlags BELTZ & Gelberg erhältlich.

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