Künstliche Schönheit – Was Make-up und Retusche vermögen


Was macht ein schönes Gesicht aus?

Die Attraktivitätsforschung beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit dieser Fragestellung und seit den 1980er Jahren gibt es eine ganze Reihe von Hypothesen und wissenschaftlichen Arbeiten zu diesen. Bekannt sind die Durchschnittshypothese von Langlois & Roggman (1990, „Durchschnittliche Gesichter sind attraktiv“), die Hypothese zum Einfluss der Symmetrie von Thornhill & Gangestad (1993, „Symmetrie macht attraktiv“) und die Theorie der Merkmalsausprägungen von Cunningham (1986, „Reifezeichen gepaart mit Merkmalen des Kindchenschemas machen attraktiv“). Neuere Forschungen haben diese Thesen überprüft und ganz konkret herausgearbeitet, wann ein Gesicht als schön empfunden wird (Beautycheck – Schönheit ist messbar).

Als sexy empfundene Frauengesichter zeichnen sich gegen über solchen, die als nicht-sexy empfunden werden, durch folgende Merkmale aus

  • Braunere Haut
  • Schmaleres Gesicht
  • Weniger Fettansatz
  • Dunklere, schmalere Augenbrauen
  • Mehr, längere und dunklere Wimpern
  • Keine Augenringe
  • Kleinerer Abstand zwischen Augenlid und Lidfalte
  • Höhere Wangenknochen
  • Schmalere Nase
  • Vollere, gepflegtere Lippen
  • Schmalerer Hals

Die Merkmale, die Gesichter von Männern sexy machen, unterscheiden sich davon zum Teil:

  • Braunere Haut
  • Schmaleres Gesicht
  • Weniger Fettansatz
  • Dunklere Augenbrauen
  • Mehr und dunklere Wimpern
  • Kleinerer Abstand zwischen Augenlid und Lidfalte
  • Obere Gesichtshälfte im Verhältnis zur unteren breiter
  • Höhere Wangenknochen
  • Keine Geheimratsecken
  • Keine Falten zwischen Nase und Mundwinkeln
  • Vollere Lippen
  • Symmetrischer Mund
  • Markanter Unterkiefer
  • Markanteres Kinn
  • Schmalerer Hals

Mit Schönheit lässt sich gut verdienen

Wer darüber nachdenkt, wie mit Schönheit der Lebensunterhalt bestritten werden kann, denkt vermutlich zu allererst an die diversen Models, die einem von Plakaten und aus Zeitschriftenanzeigen entgegenlachen. Dann kommt einem auch so mancher Schauspieler, so manche Schauspielerin in den Sinn, die in erster Linie ihrem schönen Gesicht ihren Erfolg verdanken. In der Tat lässt sich mit Schönheit viel Geld verdienen. Davon profitieren aber nicht nur diejenigen, die von Natur aus als schön empfunden werden, sondern auch alle, die damit zu tun haben, dass Menschen attraktiv sind bzw. werden. Das fängt mit Friseuren an, führt über Kosmetikerinnen und geht bis zu den Schönheitschirurgen. Nicht wegzudenken aus dem Schönheitsgeschäft sind aber auch Visagistinnen und … Grafikdesigner.

Schönheit ist machbar

Tagtäglich begegnen uns personifizierte Schönheitsideale: in Zeitschriften, in Fernseh- und Kinowerbung, auf Plakaten. Jeder weiß, dass bei diesen Aufnahmen nachgeholfen wird. Die Visagisten verdecken Fältchen, kaschieren Hautunreinheiten, Sommersprossen und Muttermale, bändigen unwilliges Haar und verhelfen alles in allem diesen professionellen Schönheiten zu ihrem Glanz. Kaum sind Foto oder Film im Kasten, kommt der Grafikdesigner ins Spiel: Haut wird geglättet, Hauttöne optimiert, Falten entfernt, Lippen korrigiert, sogar Pfunde wegretuschiert. Hier können Gesichter und ganze Körper an die oben beschriebenen Schönheitsmerkmale angepasst werden. Wer selbst schon mit Photoshop oder ähnlichen Programmen gearbeitet hat, weiß, was selbst für Anfänger mit dieser professionellen Software möglich ist.

Inzwischen gibt es im Netz eine ganze Reihe von Bildserien und Videos, die demonstrieren, wie im Werbebusiness in sachen schönheit getrickst wird. Einige davon sollen hier angeführt werden.

Mit einem Video, das zeigt, wie Visagisten arbeiten, will Dove darauf aufmerksam machen, wie verzerrtes Schönheitsempfinden gefördert wird.

Im folgenden Video wird eine junge Frau komplett retuschiert, während die singt.

BOGGIE – PARFÜM (hungarian version of Nouveau Parfum) from THE SOUP on Vimeo.

Das folgende Video zeigt, wie mithilfe von Photoshop eine alte Frau um mehrere Jahrzehnte verjüngt wird.

Natürlich können auch Männer mithilfe der entsprechenden Software „aufgehübscht“ werden.

Grandios gemacht – die folgende Fake-Werbung, die ebenfalls zeigt, wozu Photoshop fähig ist.

Schönheit um jeden Preis?

Welche negativen Einflüsse diese künstlich erzeugte Schönheit, die uns sscheinbar überall umgibt, hat, muss vermutlich gar nicht direkt aufgesprochen werden. Doch ein paar Zahlen sollen hier die erschreckende Wahrheit verdeutlichen.

  • ein Fünftel aller Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren leiden an Essstörungen (Quelle: BZgA)
  • bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Anzeichen von Essstörungen (Quelle: BZgA)
  • weltweit leiden ca. 0,5-1 % der Bevölkerung an Magersucht, 2-4% an Bulimie (Quelle: BZgA)
  • 2011 waren Fettabsaugungen mit mehr als 1,27 Millionen Eingriffen die häufigsten Schönheitsoperationen, gefolgt von Brustvergrößerungen mit 1,21 Millionen Eingriffen (Quelle: statista)

(Nicht jede Esstörung wird durch Schlankheitwahn ausgelöst, doch zählt dieser zu einer der häufigsten Ursachen.)

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