Juno und Juko


Vorsichtig steckt das kleine Fischlein die Nase aus der Asthöhle hervor. Hui, hier ist aber viel los! Das Diskus-Fischmädchen ist gerade erst aus dem Ei geschlüpft und noch ganz klein. Bei dem Trubel im Wasser wird ihr ganz schwindelig.

Hinter ihr rührt sich etwas. „Hallo, du“, ruft es, als das Fischmädchen sich umdreht. „Hilf mir doch mal!“ Mitten in dem Nest mit Fischeiern bewegt sich etwas. Da funkelt etwas Blaues heraus. Vorsichtig schwimmt das Fischmädchen näher heran. „Ich hänge fest. Zieh doch mal!“ Ein kleiner blauer Diskus versucht sich gerade vom Rest seines Fischeis zu befreien. Das Fischmädchen packt ihn vorsichtig mit dem kleinen Maul an einer Flosse und zieht. Hauruck! Plötzlich purzeln die beiden Fischlein nach hinten. Der blaue Diskus ist aus dem Ei befreit.

Artig bedankt sich der kleine Diskus-Fischjunge bei seiner Helferin. „Wie heißt du?“, fragt er neugierig. „Ich bin gerade erst geschlüpft. Ich habe noch keinen Namen“, antwortet das Fischmädchen. Der blaue Diskus guckt sie genau an, dann meint er: „Ich nenne dich Juno. das finde ich schön.“ „Darf ich dich dann Juko nennen?“, erkundigt sich die kleine Juno. Juko nickt.

„Guck mal, da draußen ist vielleicht was los!“, erklärt Juno und schwimmt wieder zum Ausgang der Asthöhle. Juko steckt kaum neben ihr die Nase aus dem Loch, als auch schon ein großer Fisch an ihm vorbeizischt. „Wow, war der aber schnell!“, ruft Juko begeistert. Und schon schwimmt er hinaus und versucht, dem großen Fisch zu folgen. Juno ist der Tumult nicht ganz geheuer. In der ruhigen Astgabel bei den übrigen Fischeiern ist es doch viel gemütlicher.

Doch plötzlich spürt Juno etwas Merkwürdiges. Es kneift an ihrem Bauch. Oh nein, es kneift IN ihrem Bauch. Ist Juno etwa krank? „Wo bleibst du denn?“, fragt Juko. Er ist ganz außer Atem, aber er strahlt über das ganze Gesicht. „Einer der Großen hat mir gesagt, dass es gleich was zu fressen gibt. Das willst du doch sicher nicht verpassen, oder?“ Junos Bauch kneift sie wieder und dann tönt ein kleines Grummeln heraus. Grinsend meint sie: „Ich glaube, ich habe wirklich Hunger.“

Rasch schwimmt Juno hinter Juko her. Da gibt es so viele andere Fische. Viele sehen so aus wie Juno und Juko, aber sie sind größer als die beiden. Doch ein paar Fische sind auch ganz anders. „Das sind Panzerwelse“, erklärt Juko. Das hat er zumindest von einem großen Diskus-Fisch gehört. „Das da drüben ist ein Panda-Panzerwels. Das da unten sind gelbe Panzerwelse. Aber das siehst du ja.“

Juno kann gar nichts so schnell schauen, wie sie schon wieder etwas Neues entdeckt. Da geht ein Zucken durch die Fische. Juno erschrickt. Droht etwa Gefahr? Doch nein! Da kommt tatsächlich von oben allerlei Nahrhaftes. Juno kriegt sofort Appetit. Doch auch die anderen Fische haben das Futter entdeckt. Sofort stürzen sie alle los und Juno geht in dem Getümmel fast unter. Ein großer Diskus haut ihr mit der Flosse auf den Kopf und ein Panzerwels stößt sie unsanft zur Seite.

Als sich das Wasser um Juno herum endlich wieder ein wenig beruhigt, sieht sich Juno entsetzt um. Die Fische schwimmen wieder ruhig ihre Bahnen. Aber das ganze Futter ist weg! Da stupst jemand sie leicht an der Seite. „Schau mal, ich hab was für dich besorgt“, meint Juko. Er hält ihr ein paar Flocken vom Fischfutter hin. Junos Magen grummelt ganz laut, als sie das leckere Futter sieht. Es ist doch wunderbar, dass sie in Juko so einen guten Freund gefunden hat.

Ein paar Wochen später hat Juno sich schon an das Getümmel im Becken gewöhnt. Juko und sie sind natürlich auch gewachsen. Jetzt nehmen ihnen die großen Fische das Futter nicht mehr vor der Nase weg. Im Aquarium ist es ziemlich eng geworden. Nach Juno und Juko sind noch viele andere junge Fischlein aus den Eiern geschlüpft. Da macht das Herumschwimmen manchmal gar keinen Spaß. Deshalb verstecken sich Juno und Juko immer wieder gemeinsam in der Asthöhle, in der sie auf die Welt gekommen sind.

Heute ist es besonders schlimm. Die Fische im Aquarium sind ganz aufgeregt. Ein gelber Panzerwels ist verschwunden. Gerade war er noch da und im nächsten Moment weg. Juno und Juko haben sich in ihrer Asthöhle versteckt. Das ist ihnen gar nicht geheuer. Hat sich etwa ein Raubfisch ins Aquarium geschlichen, der heimlich einen Fisch nach dem anderen frisst?

Mit einem Mal bebt die Asthöhle. Juno drückt sich ganz eng an Juko. Was ist da nur los? Ihr Versteck wackelt immer mehr und plötzlich kippt es einfach um. Erschrocken flüchten Juno und Juko nach draußen. Doch was ist das? Juko kommt keine drei Flossenlängen weit und schon hängt er in einem Netz. Oh je! Jemand hat ihn eingefangen! Juno eilt sofort zu Hilfe. Sie beißt in das Netz, doch die dünnen Fäden sind sehr fest. Juno zieht und zerrt und beißt, doch das Netz hält Juko weiterhin gefangen. „Schnell! Versteckt dich, bevor sie dich auch noch erwischen!“, ruft Juko ihr zu. Dann wird das Netz mit ihm plötzlich aus dem Wasser gezogen.

Juno schaut mit weit aufgerissenen Augen zu, wie Juko über der Wasseroberfläche verschwindet. Oh je, hoffentlich stirbt er nicht. Fische brauchen doch Wasser zum Überleben. An der Luft können sie nicht atmen. Vor Schreck vergisst Juno, dass die Gefahr für sie noch nicht vorüber ist. Und ehe sie sich versieht, erscheint ein weiteres Netz direkt vor ihr. Entsetzt macht Juno kehrt und schwimmt, so schnell sie kann, davon. Doch das Netz ist dicht hinter ihr. Juno versucht, sich zwischen ein paar Pflanzen zu verstecken. Aber das hilft nichts. Das Netz kommt immer näher. Schließlich wird Juno in einer Ecke des Aquariums gefangen. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr. Das Netz stülpt sich über sie und schon wird Juno aus ihrem Aquarium gerissen. Juno schnappt nach Luft, doch sie kann einfach nicht atmen. Muss sie jetzt ersticken.

Patsch! Plötzlich stürzt Juno nach unten und landet … in einem durchsichtigen Beutel mit Wasser. Der Beutel ist klein und außer Juno ist nichts darin. Eine kleine Menschenhand hält den Beutel fest. Was wird jetzt mit ihr passieren? Juno wird ganz schwindelig, als der kleine Mensch anfängt sich zu bewegen. In dem Beutel schaukelt sie hin und her. Bald macht sie einfach nur noch die Augen zu, damit ihr nicht schlecht wird.

Juno weiß gar nicht, wie viel Zeit vergeht, bis das Schaukeln endlich aufhört. Vorsichtig öffnet sie die Augen wieder und sieht, dass jemand den Beutel öffnet. Plötzlich geht alles ganz schnell. Der Beutel wird umgedreht und Juno fliegt durch die Luft. Mit einem kleinen Platscher landet sie wieder im Wasser. Blitzschnell sucht Juno Deckung zwischen ein paar Pflanzen. Sie hat keine Ahnung, wo sie ist. Aber wenigstens kann sie sich jetzt ein bisschen verstecken.

Da hört Juno plötzlich ein leises Kichern hinter sich. „Hallo, du kleiner Angsthase!“ Juno dreht sich um und traut ihren Augen kaum. Hinter ihr schwimmt Juko herum und grinst sie fröhlich an. Überglücklich schwimmt Juno sofort zu ihm und kuschelt sich an ihn. Wie gut, das ihr Freund auch da ist. Nun muss sie sicher keine Angst mehr haben.

Gemeinsam erkunden die beiden Diskus-Fische ihre neue Umgebung. Wie es aussieht, muss sie jemand in der Zoohandlung, in der sie auf die Welt gekommen waren, gekauft haben. Nun sitzen die beiden in einem ganz großen Aquarium, in dem es nur wenige andere Fische gibt. Hier ist es viel ruhiger als in ihrem alten Aquarium. Und es gibt auch nicht so viel Streit ums Futter. Bald haben sich Juno und Juko eingelebt und Freundschaft mit den anderen Fischen geschlossen. Am wichtigsten aber ist für beide, dass sie immer zusammen sind.

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