Das Model ohne Gucci – oder: Die Prinzessin auf der Erbse


Es war einmal ein reicher junger Mann, der wollte unbedingt ein Model heiraten. Aber das sollte ein wirkliches Topmodel sein, das nicht nur gut aussah, sondern auch immer genau wusste, welche Designer-Artikel echt und welche nachgeahmt waren.

Mit seinem Privatjet reiste er in der ganzen Welt herum, von Paris nach Mailand, von Rom nach New York und wieder zurück. Auf den Laufstegen, bei Fernsehproduktionen und Casting-Shows, bei Werbeaufnahmen – überall begegnete er vielen schönen Models. Doch keinen von Ihnen war in seinen Augen wirklich ein Topmodel. Immer gab es etwas, das nicht ganz passte: Mal waren ihre Füße zu groß, mal trug sie zu wenig Make-Up. Mal erkannte sie die Marke seiner Uhr – eine Patek Philippe – nicht, mal hatte sie keine Designer-Handtasche dabei.

Nachdem er lange Zeit erfolglos gesucht hatte, reiste er traurig zurück in seine prächtige Villa an der Côte d’Azur.

Eines Abends zog ein furchtbares Wetter auf; es blitzte und donnerte, der Regen stürzte herab, und es war ganz entsetzlich. Da ertönte plötzlich die Klingel vorne am Tor des Parks, der die Villa umschloss. Sofort schaltete der Buttler die Kamera zum Tor an und sah nach, wer dort geklingelt hatte. Das Bild zeigte eine junge Frau, die völlig durchnässt vor dem Tor stand. Ihre Kleidung sah aus, als wäre sie von einem Designer entworfen, doch sie triefte vor Nässe. Mit ihren zwölf Zentimeter hohen High Heels stand sie tief in einer Pfütze.

„Hallo, lassen Sie mich bitte rein!“, rief die junge Frau in die Sprechanlage. „Ich bin ein Topmodel aus Nizza. Ich hatte eine Panne mit meinem Ferrari und der Akku meines iPhones ist leer.“ Dem Buttler tat die junge Frau leid und so öffnete er ihr das Tor.

Als die Hausdame sah, wen der Buttler in die Villa gelassen hatte, dachte sie bei sich: ‚Wir werden schon erfahren, ob du ein wirkliches Topmodel bist.‘ Während die junge Frau dem Hausherrn vorgestellt wurde, bereitete die Hausdame eines der Gästezimmer vor. Doch statt der teuren Bettwäsche von Libeco holte sie ganz normale Satinüberzüge aus dem Schrank. Im Badezimmer entfernte sie die Seife von Diptyque und das Duschgel von Miller Harris und stellte stattdessen Produkte aus dem nächsten Discounter bereit. Auf dem Schminktisch platzierte sie schließlich noch eine täuschend echte Nachahmung einer Parfumflasche von Gucci. Lediglich der Bademantel stammte tatsächlich aus der Designkollektion von Bugatti.

Am Morgen wurde das Topmodel bei Frühstück gefragt, wie es denn die Nacht verbracht hätte. „Oh, entsetzlich schlecht!“, sagte die junge Frau daraufhin. „Es fing schon an, bevor ich überhaupt zu Bett gegangen bin. Das Duschgel hat meiner Haut die ganze Feuchtigkeit entzogen und von der Seife habe ich Ausschlag bekommen. Die Bettwäsche hat mich die ganze Nacht lang gekratzt, so dass ich kein Auge zu tun konnte. Und als ich heute Morgen das Parfum benutzen wollte, wäre ich in dem Gestank fast erstickt. Einzig der Bademantel ist wirklich eine Wonne.“

Da wusste der reiche junge Mann sofort, dass er es mit einem echten Topmodel zu tun hatte. Denn nur ein wirkliches Topmodel konnte so verwöhnt sein, dass ihm all die normalen Dinge nicht genug waren und es nur Design-Artikel verwenden konnte.

Sofort ließ der junge reiche Mann seinen Notar herbeiholen, denn es sollte ein Ehevertrag gemacht werden. Dann wurde der Privatjet startklar gemacht und schon um die Mittagszeit fand die Hochzeit des reichen jungen Mannes mit dem Topmodel in Las Vegas statt.

Und da dies eine wahre Geschichte sein könnte, …

… war das junge Paar schon zwei Monate später wieder geschieden.

 

Ildiko von Kürthy
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