So klein in der großen Welt


„Mama, warum klettert Fips nicht auf den Tisch? Er kann das doch!“, erkundigt sich Jan. Dabei guckt er verwirrt der kleinen Maus hinterher, die auf dem Boden herumschnuppert.

„Fips mag sich sicher nur anstrengen, wenn er dafür auch eine Belohnung bekommt“, erklärt Mama. Doch Jan schüttelt sofort den Kopf. „Ich habe ihm doch ein Stück Banane hier rauf gelegt. Sonst ist er ganz verrückt nach Banane.“

Mama lächelt. Jan mag dieses ganz besondere Lächeln nicht. Immer, wenn Mama so lächelt, dann denkt sie, dass er gerade wieder nichts versteht und sehr dumm ist. „Überleg doch mal, wie klein Fips ist. Er sieht die Banane doch gar nicht.“

Ja wird immer verwirrter. Haben kleine Tiere etwa schlechte Augen? „Braucht Fips eine Brille?“, fragt Jan vorsichtig nach. Da fängt Mama wirklich an zu lachen. „Nein, für Mäuse gibt es gar keine Brillen. Aber weil Fips so klein ist, sieht er den Tisch ja nur von unten. Da weiß er nicht, was drauf liegt.“

Jan ist erleichtert. Es hätte sicher lustig ausgesehen, wenn Fips eine Brille auf der Mausnase gehabt hätte. Aber Fips hätte das nicht gut gefallen. Vorsichtig hält er Fips seine Hand hin. Sofort klettert das Mäuschen darauf und lässt sich von Jan auf den Tisch heben. Dort macht sich Fips natürlich gleich über das Stückchen Banane her. Jan beobachtet Fips nachdenklich. Es muss ganz schön komisch sein, so klein zu sein. Wie wohl die Wohnung aussieht, wenn man eine Maus ist?

Am nächsten Nachmittag muss sich Jans Mama sehr wundern. Jan robbt ganz langsam durch die ganze Wohnung, den Kopf fest an den Teppich gepresst. „Suchst du etwas?“, fragt Mama. „Nö“, gibt Jan zurück und robbt weiter. „Magst du mir dann verraten, was du da machst?“ Jan hebt kurz den Kopf. „Ich versuche wie Fips zu sehen.“ Mama sieht nicht so aus, als würde sie Jan verstehen. Deshalb steht jan nun doch auf und setzt seine wichtige Erklärer-Miene auf. „Du hast gesagt, dass Fips alles anders sieht, weil er so klein und weit unten ist. Klein kann ich nicht werden. Deshalb hab ich versucht, alles von unten zu sehen.“

„Das ist aber eine tolle Idee. Nur für deine Kleidung ist das nicht so toll. Du wirst auf dem Fußboden doch schmutzig und wetzt den Stoff durch.“ Mama überlegt kurz. „Ich glaube, ich weiß, wie wir für dich einen Fips-Sicht-Apparat bauen.“ Jan ist sofort dabei. Mama schickt ihn los, um Schere und Klebstoff herbei zu bringen. Sie selbst holt aus dem Schrank ein großes Stück Pappe und eine interessante, spiegelnde Folie. Außerdem werden  ein Stift und ein Lineal gebraucht.

Mama setzt sich an den Tisch und zieht viele lange Linien auf dem Karton. Aus manchen werden Rechtecke. Daran hängt Mama Klebelaschen an. Die kennt Jan von den Bastelbögen aus seiner Kinderzeitung. Als Mama alles fertig gezeichnet hat, darf Jan das komische Muster aus der Pappe vorsichtig ausschneiden. Danach wird gefaltet und geklebt. Auf zwei kleine Pappstücke klebt Mama die Folie. Die sehen nun aus wie kleine Spiegel und werden in die eckige Pappröhre geklebt.

„Jetzt guckst du einfach mal oben rein“, erklärt Mama, als sie Jan den fertigen Fips-Sicht-Apparat in die Hand drückt. Wow! Jan ist ganz baff. Er schaut oben rein, aber er sieht alles so, als wenn er unten auf dem Boden liegen würde. Das ist toll! Jan läuft in der ganzen Wohnung herum. Sogar unter Schränke kann er mit dem tollen Apparat gucken. Nur ein wenig finster ist es dort. Nun weiß er ganz genau, was Fips alles sehen kann, wenn die kleine Maus ihren Spaziergang macht.

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