Ameise Anton im Glück


Die Ameise Anton ist wirklich ein Pechvogel. Ständig geht etwas schief. Vorgestern haben die anderen Ameisen leckere Marmelade gefunden. Aber Anton blieb mit einem Bein dran kleben. Gestern haben alle Baumharz heimgetragen. Doch Anton wurde von einem Vogel entdeckt und gejagt. Natürlich hat er dabei seine Last verloren.

Und heute – nun heute hat sich Anton tatsächlich verirrt. Oberspürameise Freddi hatte überreife Beeren gefunden – super lecker. Und natürlich sollten alle Ameisen in Reih und Glied losmarschieren und die Früchte heim holen. Anton war brav mitgelaufen. Freddis Fund war wirklich wunderbar. Die Beeren waren prima, um damit die jungen Ameisenlarven zu füttern. Anton hatte sich drei Beeren aufgepackt und hatte sich damit auf den Weg zurück zum Ameisenhaufen gemacht.

Und dann hatte das Unglück seinen Lauf genommen. Anton war auf halbem Weg gestolpert und hatte seine schöne Last verloren. Die Ameisen hinter ihm waren über Anton drüber gepurzelt und hatten die Beeren ganz zermatscht. Natürlich musste Anton zurück zu den Beeren laufen und neue holen.

Jetzt steht Anton mitten auf einer kleinen Lichtung und sieht sich verwirrt um. Wo sind denn alle Ameisen hin? Und wo führt der Weg zum Ameisenhügel?

„Hallo?“, ruft Anton zaghaft. „Ist noch jemand da?“ Er weiß, laut rufen darf er nicht. Außerhalb des Ameisenhaufens ist das gefährlich. Ein Vogel oder ein Igel könnte ihn hören und versuchen, ihn zu fressen. Anton bekommt keine Antwort. Er ist wirklich ganz allein. Wie soll er jetzt zurückfinden? Langsam läuft Anton auf einen Baum zu, der ihm etwas bekannt vorkommt. Ob in dieser Richtung sein Ameisenhügel liegt? Anton sieht keine Spuren der anderen Ameisen. Aber es hat seit Tagen nicht geregnet, der Boden ist ganz trocken. Dort hinterlässt keine Ameise Fußabdrücke.

Anton ist sich eigentlich sicher, dass er in die richtige Richtung läuft. Doch wo er sich auch umsieht, er findet keine Spur der anderen Ameisen. Langsam wird es dunkel und Anton ist ganz erschöpft. So weit wie heute ist er noch nie gelaufen. Bald glaubt Anton nicht mehr daran, dass er den Weg zurück heute noch findet.

Traurig und mutlos sucht Anton nach einem Unterschlupf. Er versteckt sich zwischen einem alten Ast und einem kleinen Stein. Hier wird ihn hoffentlich kein Tier finden. Weil er Hunger hat, knabbert Anton eine der Beeren an. Es bleiben ja noch zwei für die Larven übrig, wenn er morgen heim kommt.

Als es am nächsten Tag gerade hell wird, frisst Anton den Rest der Beere. Dann läuft er wieder los. Es ist sicher nicht mehr weit, redet er sich selbst ein.

Doch es wird Mittag und es wird Abend und Anton hat den Weg zurück zum Ameisenhaufen immer noch nicht gefunden. Leise schniefend sucht er sich wieder ein kleines Versteck für die Nacht. Ob ihn im Ameisenhaufen wohl jemand vermisst? Oder hat gar niemand bemerkt, dass er fehlt? Vielleicht sind die anderen Ameisen ja auch froh, dass er weg ist. Schließlich hat er immer nur Pech.

Anton frisst die zweite Beere auf. Vom vielen Laufen ist er ganz ausgehungert. Es ist ihm inzwischen egal, ob er noch etwas mit nach Hause bringt oder nicht. Wichtig ist nur, dass er überhaupt zurückfindet.

Am nächsten Tag läuft Anton wieder los. Inzwischen ist er sich gar nicht mehr sicher, dass überhaupt noch zu seinem Ameisenhaufen zurückkommt. Vielleicht ist er für immer allein? Kleine Tränchen kullern Anton herunter, als er einen Fuß vor den anderen setzt.

Mit einem Mal merkt Anton, dass etwas anders ist. Der Wald um ihn herum sieht ganz normal aus, aber er riecht plötzlich anders. Da liegt ein süßlicher Duft in der Luft. Anton hebt den Kopf und schaut sich nach allen Richtungen um. Ein wenig vor ihm geht es bergauf und der Geruch kommt wohl von dort oben. Neugierig läuft Anton los.

Es dauert gar nicht lange, bis Anton den kleinen Hügel erklommen hat. Um ihn herum schwebt eine Wolke süßlichen Duftes. Und jetzt erkennt Anton auch, woher sie kommt: Irgendjemand hat ein Bienennest von einem Baum gestoßen. Das liegt nun auf dem Boden und rundherum ist der ganze Honig verteilt. Die Bienen hatten wohl Angst. Keine ist mehr in der Nähe.

Doch was Anton noch viel großartiger findet, ist die Aussicht. Von hier oben kann er weit in den Wald vor sich sehen. Was er dort entdecken kann, freut ihn ganz besonders. Gar nicht weit entfernt liegt sein Ameisenhügel!

Glücklich rennt Anton schon los, um seinen Ameisenhaufen zu erreichen. Da fällt ihm etwas ein. Er dreht noch einmal um und holt etwas von dem Honig. Den muss er unbedingt zu Freddi bringen.

Wenig später wird Anton freudig von den anderen Ameisen begrüßt. Sie haben ihn schon sehr vermisst. Es ist doch egal, wie viel Unglück er immer hat. Wichtig ist nur, dass Anton wieder da ist. Doch jetzt ist Anton ganz stolz. Er kommt ja nicht mit leeren Händen. Freudig zeigt er den Honig, den er mitgebracht hat. Er erzählt Freddi, der Oberspürameise, was er entdeckt hat. Natürlich will Freddi sofort loslaufen, um möglichst viel Honig zu ergattern.

Die Ameisen stellen sich wieder in Reih und Glied, um los zu marschieren. Doch Freddi hält Anton zurück. „Du musst nicht mitkommen. Du warst so lange unterwegs. Jetzt solltest du dich ausruhen.“ Anton nickt. Er hat eigentlich gar keine Lust mehr zu Laufen. Müde krabbelt er in den Ameisenhaufen. Heute kann er glücklich einschlafen. Anton hatte schließlich doppelt Glück: Er hat nach Hause gefunden und er hat Honig mitgebracht. Sicher nennt ihn jetzt niemand mehr Pechvogel.

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3 Kommentare zu “Ameise Anton im Glück

  1. Liebe Eva,
    die Geschichte von Anton der Ameise gefällt mir sehr gut. Ich habe gleich Bilder zu Deiner Erzählung im Kopf. Sie ist sehr enfühlsam geschrieben und ich denke jeder fühlt sich irgendwie ein bisschen angesprochen, denn sind wir nicht alle irgendwann mal selber so ein bisschen „Anton?“
    Schön wäre natürlich ein Bilderbuch vielleicht kannst Du die Geschichte ja einem Bilderbuchverlag verkaufen? Ich weiß aus meiner Erfahrung im Kindergarten, dass soche einfühlsamen Bilderbücher immer sehr gut ankommen.
    Vielleicht mache ich mit den Kindern ein kleines Bilderbuch, dass dann natürlich jeder mit nach Hause nehmen darf.
    Liebe Grüße
    Feli

  2. Ich würde mich freuen, wenn deine Kinder das Bilderbuch gestalten. Da die Geschichte hier schon offen zugänglich ist, lässt sie sich kaum einem Verlag anbieten. Das ist ja auch nicht Sinn und Zweck hinter diesen Geschichten. Mich freut’s, wenn sie Kindern Freude machen.
    Wenn deine Kinder zu den Szenen einzelne Bilder malen und du sie scannst, mache ich zusammen mit dem Text auch gerne ein ebook daraus. Das kann ich hier zum Download reinstellen, so dass alle Kinder und Eltern es ansehen und auf den eigenen Rechner ziehen können.

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