Die Geschichte der rosa Rose


Es war einmal eine kleine, zierliche Rose. Sie stand inmitten eines großen Rosenbeetes, in dem sonst viele kräftig rote und strahlend weiße Rosen blühten. Als eines Tages endlich die erste Knospe der Rose erblühte, war diese nicht rot und auch nicht weiß. Nein, sie blühte in einem zarten rosa Farbton.

„Was willst du hier bei uns?“, zischte eine der weißen Rosen. „Du passt doch gar nicht zu uns. Du bist viel zu gewöhnlich!“

„Man hat dich verkehrt eingepflanzt“, meckerte eine rote Rose. „Du bist viel zu blass und unscheinbar. Hier gehörst du nicht her.“

„Aber ist unsere Farbenvielfalt denn nicht besonders schön?“, erkundigte sich die rosa Rose.

Da lachten die roten und weißen Rosen. „Wer braucht schon Vielfalt, wenn er Schönheit und Eleganz bekommen kann?“

„Du bist nicht edel und majestätisch genug, um zu uns zu gehören“, erklärte eine rote Rose. „Und nicht rein und strahlend genug für uns“, ergänzte eine weiße Rose. „Wir müssen uns ja schämen, dass du hier unter uns stehst.“

Da wurde die rosa Rose ganz traurig. Sie ließ den Kopf und die Blätter hängen und wollte am liebsten sterben. Dann würde sie die Schönheit der anderen Rosen wenigstens nicht mehr stören.

Da bemerkte aber der Gärtner, der die Rosen pflegte, dass die rosa Rose ganz krank aussah. „Was ist denn mit dir los? Kaum hast du die erste Blüte geöffnet, da willst du dich schon wieder verkrümeln? Das geht aber nicht.“

Der Gärtner holte sein Werkzeug und lockerte den Boden rund um die rosa Rose. Er band die anderen Rosen zurück, damit sie mehr Luft und Sonne bekäme. Er goß die rosa Rose und düngt sie. Und jeden Tag kam er vorbei und redete mit ihr. Die anderen Rosen sahen das nicht gern und wurden ganz neidisch. Sie schimpften über die rosa Rose und redeten nicht mehr mit ihr. Die rosa Rose wurde trotz der guten Fürsorge des Gärtners immer trauriger und immer mehr krank.

„Ach, meine liebe Rose“, sagte der Gärtner da eines Tages. „Da habe ich dieses Beet angelegt und anderen Rosen gepflanzt, nur um dich zu züchten. Aber scheinbar willst du einfach nicht für mich blühen. Da hat das ganze Rosenbeet keinen Sinn. Wenn du nicht für mich blühst, will ich das ganze Beet nicht mehr haben. Morgen will ich alle Rosen herausreißen. Vielleicht geht es dir ja besser, wenn sie weg sind.“

Da erschraken die roten und weißen Rosen sehr. Der Gärtner wollte sie einfach umbringen? Nur um die rosa Rose zu retten? Nur wegen ihr waren sie überhaupt hier?

„Bitte blühe!“, riefen die weißen und roten Rosen der rosa Rose zu. „Du kannst doch nicht zulassen, dass wir sterben. Bitte! Nur du kannst uns retten. Du musst etwas ganz Besonderes sein, wenn der Gärtner sich so um dich sorgt. Hilf uns!“

Da hob die rosa Rose langsam den Kopf. „Ich könnte euch jetzt sterben lassen. Dann hätte ich meine Ruhe und das ganze Beet würde mir gehören“, erklärte sie leise. „Aber ich liebe die Vielfalt. Ich finde es schöner, wenn wir in unterschiedlichen Farben blühen. Deshalb werde ich alle Kraft zusammen nehmen und versuchen, morgen eine neue, schöne rosa Blüte zu öffnen.“

Als der Gärtner am nächsten Tag zum Beet kam, traute er seinen Augen kaum. In der Mitte stand seine selbst gezüchtete Rose und hielt eine wunderschöne Blüte hoch über alle anderen Rosen. Glücklich setzte der Gärtner sich auf seine Bank. Jetzt war das Rosenbeet wirklich perfekt.

Hier blüht die rosa Rose.

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