Zur rechten Zeit am rechten Ort


Heute Abend durfte ich mal wieder erfahren, dass Gott einen im wahrsten Sinne des Wortes schon dahin führt, wo man gebraucht wird – und zwar im genau richtigen Moment.

Jeden Montag und Mittwoch leite ich in meiner Gemeinde Laudes und Vesper. Morgens sperre ich da um 6 Uhr die Kirche auf, abends um 19 Uhr wieder zu. Deshalb war ich auch heute Abend kurz nach 18 Uhr auf dem Weg in die Kirche zum Gebet.

Auf den Stufen zur Sakristei werde ich angesprochen. Ein Herr mittleren Alters fragt um Auskunft. Er sucht unseren Pfarrer. Wie sich herausstellt gehört der Herr nicht zu unserer Gemeinde und kennt damit auch die räumlichen Probleme nicht. Unser Pfarrhaus ist fern der Kirche, die er angesteuert hat. Und da wir Teil eines Pfarrverbands sind, wohnt der Pfarrer noch nicht mal in unserem Gemeindegebiet, sondern im Pfarrhaus der Nachbargemeinde. Ich will dem Herrn also die Pfarrbüroadresse geben, damit er morgen dort anfragen kann, wann und wo er unseren Pfarrer treffen kann. Da stellt sich heraus, dass die Zeit drängt: Die Schwiegermutter des Herrn liegt im Sterben, wird die Nacht wahrscheinlich nicht überleben. Sie gehört zu unserer Gemeinde und wünscht sich die Krankensalbung (auch als letzte Ölung bekannt). Der Pfarrer muss also sofort her. Ich hänge mich ans Telefon, rufe unseren Mesner an. Bekomme die Handynummer unseres Pfarrers. Erreiche den Pfarrer. Der macht sich sofort auf den Weg.

Im Nachhinein ging es mir durch den Kopf, was alles hätte anders laufen können. Wäre ich nicht genau im richtigen Moment in die Sakristei gegangen, hätte der Herr wahrscheinlich niemanden angetroffen, der ihm hätte helfen können, unseren Pfarrer zu erreichen. Seine Schwiegermutter wäre vielleicht ohne Krankensalbung gestorben.

Da kann man doch nur glauben, dass Gott seine Finger im Spiel hat.

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9 Kommentare zu “Zur rechten Zeit am rechten Ort

  1. Na ja, da stellt sich mir die Frage, ob die Krankensalbung einem helfen kann, in den Himmel zu kommen. Diese kirchlichen Riten dienen wahrscheinlich eher dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen. Wie Apostel Paulus schon sagte: „Ich kann nichts Gutes tun. Nicht, dass ich nicht wollte. Aber ich kann nicht.“

    • Du stellst die falsche Frage: Die Krankensalbung hat nichts damit zu tun, ob man in Gottes Reich aufgenommen wird oder nicht. Sie ist kein Sakrament mit dem praktisch der Himmelsschlüssel mitgeliefert wird.
      Die Krankensalbung, die übrigens nicht mit dem Sterbesakrament gleichzusetzen ist, ist vielmehr ein Sakrament der Stärkung. Es soll Kranken Hoffnung auf Heilung geben und Sterbenden die Kraft, das Unvermeidliche anzunehmen. Außerdem ist das Sakrament ein Zeichen des doppelten Beistands. Es wird meist im Beisein von Verwandten und Freunden gespendet und soll dem Kranken bzw. Sterbenden damit auch zeigen: „Wir lassen dich nicht allein.“ Außerdem symbolisiert es Jesus, der seine Hand ausstreckt und Zuversicht gibt: „Wenn du nicht mehr alleine weiter kommst, wenn du am Ende deines Weges bist, dann bin ich da und führe und trage dich weiter.“

      • Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber Jesus hat den Begriff „Hoffnung“ nie verwendet. Da kann man schon mal drüber nachdenken, vor allem, da es ja für viele Christen heutzutage ein wichtiges Wort ist. Der Sohn Gottes hat es bestimmt nicht unabsichtlich vergessen.
        Außerdem: Sterben muss man doch allein, da können so viele Priester und Verwandte drumherum stehen, wie sie wollen. Und wann bitteschön hat Jesus jemals Symbole verwendet oder Riten angewendet? Das ist alles Menschenzeug. Er sagt sogar: „Es wird die Zeit kommen – und sie ist schon gekommen – da werden die Menschen im Geist und in der Wahrheit beten.“ Sein Reich ist ein inwendiges.

        • Jesus mag das Wort Hoffnung vielleicht nicht selbst verwendet haben, aber so steht doch bei Jesaja, der Jesu Kommen und Wirken prophezeit hat: „Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.“
          Außerdem: Wenn du dich in einer Notlage befindest und du weißt, dass dich jemand retten wird, dann muss derjenige dir auch nicht erst sagen, dass er dir Hoffnung bringt. Die Hoffnung entsteht durch das Wissen um die kommende Rettung schon ganz alleine.

          Was die Symbole und Riten angeht: Jesus war gläubiger Jude und hat seinen Glauben auch praktiziert. Natürlich hat er Symbole verwendet und seinen Glauben durch Riten ausgedrückt. Das von uns als „letztes Abendmahl“ bezeichnete gemeinsame Mahl mit den Jünger ist nichts anderes als das jüdische Paschamahl, das mit entsprechenden Riten und Gebeten begangen wurde. Davon ist bei Markus und bei Matthäus die Rede.

          • Man darf Jesus wirklich nicht mit dem Propheten Jesaja gleichsetzen. Jesaja war nur ein Mensch und konnte sich irren, Jesus aber ist Gott. Und wenn Gott selber bei seiner jahrelangen Predigt zu seinen Jüngern und anderen niemals das Wort „Hoffnung“ verwendet, dann muss das eine Bedeutung haben. Bedenke, wie wichtig dieser Begriff für die Menschheit schon immer war. Es ist ausgeschlossen, dass Jesus seine Bedeutung nicht kannte.
            Außerdem verstehe ich wirklich nicht, wieso man noch Hoffnung braucht, wenn man um seine Rettung schon weiß, wie du es schreibst. Und nicht jeder, der hofft, wird auch gerettet, auch im alltäglichen Leben nicht.
            Und es tut mir leid, dass ich dir schon wieder widerspreche, aber nirgendwo im Evangelium wird erwähnt, dass Jesus jemals ein Symbol bei sich getragen oder gezeigt hätte. Außerdem ist sein Abendmahl kein Ritus, sondern ein einmaliger Vorgang. Einen Ritus muss man mehrmals wiederholen, damit er ein Ritus wird. Markus und Matthäus waren auch nur Menschen, darum ist ihre Interpretation mit Vorsicht zu genießen.

          • Wo habe ich denn bitte Jesaja mit Jesus gleichgesetzt?
            Ich habe lediglich festgestellt, dass Jesaja als Prophet das Kommen Jesu vorausgesehen hat. Und in genau dieser Funktion dürfen wir Jesaja eigentlich auch nicht anzweifeln. denn Jesajas Vision kommt von Gott. Sicher kann Jesaja als Mensch sich irren, doch Gott wird doch wohl sicher stellen, dass das, was er den Menschen sagen will, auch richtig ankommt.
            Hinsichtlich des Begriffes „Hoffnung“ habe ich mich schon hinlänglich geäußert. Allerdings will ich noch hinzufügen, dass man, um sich über das Fehlen des Begriffes genauer zu äußern, eigentlich auch mal in die Originaltexte blicken sollte. Denn schließlich sind die ursprünglichen Texte der Bibel gar nciht auf deutsch geschrieben. Es wäre gut möglich, dass in der Urfassung der Texte durchaus ein Wort enthalten war, das u.a. die Bedeutung Hoffnung hatte, dass dieses aber im Lauf der Übersetzungsgeschichte anders übertragen wurde. Da kann ich mich auch mal bei Fachleuten schlau machen. (Bestes Beispiel für solche Fehlübertragungen ist ja das Kamel mit seinem Nadelöhr.)
            Zu den Riten und Symbolen kann ich nur nochmal wiederholen: Jesus war gläubiger Jude, der seinen Glauben auch lebte. Dafür gibt es an mehr als nur einer Stelle der Bibel Nachweise (Joh 7,10, Lk 4,17 usw.) Das Mahl mit den Jüngern, das bei uns als letztes Abendmahl bezeichnet wird, war kein einmaliger Vorgang. Es handelte sich um das jüdische Paschamahl, das sich jährlich wiederholte (ein Ritus seit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten). Und da Jesus in der Tradition seines Glaubens lebte, muss man davon ausgehen, dass er das Mahl jedes Jahr mit seiner Familie oder Freunden gefeiert hat.

            Außerdem musst du mit deiner Argumentation aufpassen: Entweder argumentierst du mit der Bibel oder gegen sie. Einmal berufst du dich darauf, dass in der Bibel nirgends zu finden ist, dass Jesus von Hoffnung gesprochen hat, ein anderes Mal erklärst du, dass man den Aufzeichnungen der Evangelisten auch nicht unbedingt trauen sollte. Also wenn ich den Aufzeichnungen nciht trauen sollte, dann könnte Jesus ja doch von Hoffnung gesprochen haben und bei den Evangelisten ist es irgendwie unter den Tisch gefallen, oder?
            Hat was vom Fähnchen im Wind, wie du gerade argumentierst. Du drehst dir alles so, wie’s dir gerade am besten passt.

  2. Liebe Eva,
    Manchmal ist es wohl wirklich so, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, so wie wenn Gott einen grade zur richtigen Zeit geschickt hat. Solche Begegnungen sind sehr wertvoll und es ist schön, dass Du uns an Deinem persönlichen „kleinen Wunder“ teilhaben läst. Es schenkt uns in unserer grauen Alttagswelt einen kleinen Schimmer von Gottes Güte und läst uns seine Gegenwart wieder ein bisschen näher füheln.

  3. Zum Thema Hoffnung ist mir gerade noch etwas eingefallen, das dich, liebe Feli, sicher besonders freuen wird – das Mottolied des 2. Ökumenischen Kirchentags in München:
    „Damit ihr Hoffung habt“ – gesungen von den Wise Guys.

  4. Hallo Eva, irgendwie kann ich direkt auf deinen letzten Kommentar nicht antworten. Darum an dieser Stelle nur noch dieses: „Prüfe alles und wähle das Beste.“ Auch die Bibel, auch die Jünger, auch dich selbst, auch Gott.

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